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Samstag, 19. Mai 2012
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"Falco tinnunculus" – der kleine Jäger

DerTurmfalke

Der eine ist Vegetarier, der andere ein Überlebenskünstler unter Wasser – aber was haben das Murnau-Werdenfelser Rind und die Schleie mit dem Turmfalken gemeinsam?
Sie gehören alle zu den acht Tieren des Jahres 2007!

Z u den Merkmalen des Falken zählt ein dem der Schwalbe ähnliches Flugbild, lange, spitze Schwingen, ein kurzer Stoß (Schwanz), kurze Klauen, dunkle Augen und der Falkenbart in Gestalt markanter, senkrecht verlaufender Wangenstreifen. Falken sind „Bisstöter“ und tragen als Waffe eine scharfe Zacke im Oberschnabel, den sogenannten Falkenzahn.

Ein langer Stoß ist nicht das Einzige, was den Turmfalken von seinen „Brüdern“ unterscheidet. Bestandteil seiner Sonderstellung ist auch seine ganz spezielle Jagdtaktik. Alle Falken schlagen ihre Beute nur in der Luft – alle, außer dem Turmfalken! Und diese beiden Eigenheiten gehen Hand in Hand: Mit seinem Stoß hält er die Balance während seines typischen Rüttelflugs (daher auch sein Künstlername „Rüttelfalke“). Mit schnellen Bewegungen seiner Flügel, deren Spannweite 75 cm beträgt, verharrt er in der Luft, bevor er zum Angriff zu Boden schnellt.

Außer dem Turmfalken „rütteln“ übrigens noch der Fischadler und der Mäusebussard.

Unser „Autobahnfalke“
Der Turmfalke ist in ganz Europa, in Asien und Afrika zu Hause. Zu seinem Lebensraum gehören waldreiche Gebiete, vor allem aber offene Kulturlandschaften und menschliche Siedlungsgebiete. Er sitzt mit Vorliebe auf Turmspitzen in Großstädten, auf Pfählen, Leitungen und den Spitzen kleiner Bäume am Rande von Landstraßen und Autobahnen.

In unseren Gefilden tritt der Turmfalke oft als „Ganzjahresvogel“ auf, zum Beispiel in Schleswig-Holstein, er überwintert also nicht im Süden. In Bayern und in der Schweiz wiederum wird er zum Zugvogel.

Göttergatte oder Herzensbrecher?
Männchen (der Terzel) und Weibchen lassen sich leicht unterscheiden. Er hat einen grauen Kopf, einen grauen Stoß mit schwarzer „Endbinde“ und einen braunen, längs gefleckten Rücken. Ihr brauner Rücken und Stoß weisen eine Querbänderung auf.

Um die Angebetete zu erobern, vollführt er einen Balzflug mit lauten Kiks-Rufen und landet dann direkt auf ihr. (Womöglich kommt daher die Redewendung „bei jemandem landen“, doch dies sei nur am Rande erwähnt.) Zur Brutzeit zeigt man sich dann äußert „gesprächig“ mit rhythmischem „kik-kik-kik-kiks“. Die tiefere Stimme ist dabei dem Weibchen zuzuordnen.

Oft bleiben die Paare ein Leben lang verheiratet – nur die Zugvögel in der Familie machen ihrem Namen auch in dieser Hinsicht Ehre und sind mitunter kleine Halodris.

Turmfalken bauen keinen eigenen Horst, sondern setzen sich quasi ins „gemachte Nest“: Sie nutzen nämlich mit Vorliebe die verlassenen Nester anderer Greifvögel, manchmal auch Felsnischen, Kirchtürme und in Ausnahmefällen Brutstätten am Boden. Die Eiablage erfolgt gegen Mitte April, ist aber witterungsabhängig. So müssen im Zuge des Klimawandels wohl auch in diesem Punkt die Biologiebücher umgeschrieben werden.

Fünf bis sieben Eier liegen im Nest, bei einer Brutdauer von vier Wochen. Nach ungefähr 30 Tagen werden die Jungvögel dann flügge und verstreichen nach Verlassen des Nestes in alle Himmelsrichtungen.


Wohl bekomm’s!
95 % des Speiseplans bestehen aus Mäusen, die im rüttelnden Spähflug ausgemacht und im Sturzflug geschlagen werden. In Notzeiten, zum Beispiel wenn die kleinen Nager unter einer dichten Schneedecke verborgen bleiben, stehen auch kranke oder schwache Vögel, gelegentlich sogar junge Hasen „auf dem Speiseplan“ – niemals aber Aas!

Abwechslungsreiche Ackerlandschaften werden seltener, Pestizide in den Beutetieren aber immer häufiger. Düstere Aussichten für unseren Vogel des Jahres! Der hier noch zu den häufigsten Greifvögeln zählende Turmfalke weist zwar im europäischen Vergleich einen beachtlichen Bestand auf. Absolut gesehen aber ist auch sein Vorkommen stark rückläufig. Doch man kann etwas tun! Eigens aufgestellte Nistkästen nimmt er gerne an! So kann man dem kleinen Zeitgenossen ein sicheres Heim zur Durchführung seiner Familienplanung bereitstellen.

tide

Fotos: Nabu/M. Heng (1), Nabu/A. Klein (1)