Archivierte Artikel im Detail

 
Sie sind hier: Archiv / Artikel
Samstag, 19. Mai 2012
...

Die Schönheit aus dem Wald

Das Reh

Bevor ich begann, diesen Artikel zu schreiben, habe ich mich einmal im Freundeskreis umgehört, was die Personen (unterschiedlichen Alters) empfinden, wenn sie ein Reh zu Gesicht bekommen. Und alle haben unabhängig voneinander gesagt, dass sein Anblick stets aufs Neue ein Lächeln ins Gesicht zaubert und sie fasziniert von der Schönheit seien, der Scheu und der Vorsicht, die es in sich trägt. So eine „Begegnung“ bringt auch noch nach Jahren einen Überraschungseffekt mit sich, so dass man unwillkürlich ausruft: „Oh, schau mal, ein Reh!“

Wovon die Rede ist …

Zunächst einmal muss eine klare Unterscheidung zwischen dem Europäischen und dem Sibirischen Reh getroffen werden. Diese zwei Arten trennten sich bereits vor ungefähr drei Millionen Jahren. An dieser Stelle geht es um das Europäische Rehwild, welches im Vergleich zum Sibirischen kleiner ist und mit weniger Gehörn ausgestattet. Es besitzt jedoch die größeren Ohren und trägt eine schöne braune „Jacke“. In Mitteleuropa ist es der häufigste Vertreter der Hirsche und wird dem Schalenwild zugeordnet.

Lebensraum

Das Europäische Reh hat sich weit verbreitet. Es besiedelt fast ganz Europa und Kleinasien. Lediglich in Irland, auf den Mittelmeerinseln und dem Peloponnes treffen wir es nicht an. Dabei ist es in allen Gebieten zu finden, in denen sich genügend Deckung durch Wald und Busch bietet und wo eine ausreichende Nahrungsvielfalt im Angebot ist. Sein Körperbau ist genau diesem Lebensraum angepasst. Fast lautlos kann sich das Reh im Gehölz bewegen und durch enges Buschwerk huschen. Ihm fehlt jedoch die Ausdauer für lange Fluchten, wie sie die Steppenbewohner mitbringen.

Das Europäische Reh ist sehr anpassungsfähig und gilt daher als Kulturfolger. So kann es seelenruhig in größerer Gruppe am Autobahnrand äsen, ohne sich gestört zu fühlen. Unregelmäßige Störungen wie Begegnungen mit z. B. Damwild können sich dagegen negativ auf Population und Entwicklung der Tiere auswirken.

Lebensweise

In der kalten Jahreszeit lebt das Rehwild in Familienverbänden (in der Jägersprache „Sprünge“ genannt) zusammen. Vor der Brunft (auch „Blattzeit“) bis Mitte Mai fangen die Böcke an, ihr Revier zu verteidigen. Angeregt durch das Sexualhormon Testosteron markieren sie ihre Gebiete durch Urin und Duftdrüsen an Kopf und Läufen. Die Brunft, also die Paarungszeit, ist in Deutschland von Ende Juli bis Anfang August. Erst ab Dezember entwickelt sich dann das befruchtete Ei im Körper der Ricke (weibliches Reh).

Den Zeitraum nach der Brunft bis Dezember nennt man Keimruhe. Die Geburt der Kitze erfolgt dann im Mai. Meist werden ein bis zwei, ganz selten drei Kitze geboren, die durch weiße Flecken gekennzeichnet sind.

Merkmale

Das ausgewachsene Europäische Reh hat eine Schulterhöhe von 60 bis 90 cm. Die Kopf-Rumpf-Länge variiert zwischen 100 und 140 cm. Böcke sind meist schwerer als die weiblichen Tiere. Ihr Gewicht liegt zwischen 15 und 20 kg, in Gebieten mit großem Äsungsangebot wiegen sie auch gern etwas mehr.

Nur die Böcke tragen ein Geweih, das im Zeitraum von Oktober bis November abgeworfen wird. Sofort bildet sich ein neues Gehörn, das unter einer schützenden Basthaut hervorwächst. Wenn die Geweihbildung im Mai abgeschlossen ist, wird die Schutzhaut an jungen Bäumen oder Büschen abgestreift,
was auch als „Fegen“ bezeichnet wird. Das Sommerfell ist rotbraun, während es sich im Winter eher graubraun oder dunkelbraun färbt. Im Norden Deutschlands kommen auch regelmäßig
schwarze Rehe vor.

Wildwechsel

Zur Vermeidung von Wildunfällen

  • Beachten Sie die Wildwechsel-Schilder und reduzieren Sie Ihr Tempo.
  • Behalten Sie die Fahrbahnränder im Auge.
  • Wenn ein Reh die Straße überquert, wird mindestens ein weiteres folgen.
  • Wild verhält sich unberechenbar auf der Straße. Meist läuft es sogar vor dem Fahrzeug her.
  • Nicht den nachfolgenden Verkehr behindern. Wenn sich Wild auf der Straße befindet, nicht unkontrolliert ausweichen, Sie könnten in den Gegenverkehr geraten oder gegen einen Baum fahren. Dann lieber geradeaus in Richtung Wild lenken.
  • Nur wenn die Straße auch nach hinten frei ist, bremsen, außer-dem hupen und abblenden, damit das Wild seinen Fluchtweg  sehen kann.


Und wenn’s doch passiert …

  • Unfallstelle absichern, Verletzte versorgen.
  • Das Tier von der Straße entfernen. Möglichst nur mit Handschuhen oder Lappen anfassen (Tollwutgefahr).
  • Das Tier niemals mitnehmen, sonst könnte es eine Anzeige wegen Wilderei geben.
  • Melden Sie den Unfall unverzüglich der Polizei oder dem nächsten Forstamt, damit es keine Probleme mit der Ver-sicherung gibt und damit das verletzte Tier unter Umständen aufgespürt und gegebenenfalls von seinen Schmerzen erlöst werden kann.

juwel

Fotos: Deutsche Wildtier Stiftung – T. Martin, C. Spahrbier