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Die Nacht gehört Meister Grimbart
Tier und Mensch: Der Dachs
Man kennt seinen Namen aus Fabeln und Märchen, doch kaum jemand weiß, wie er wirklich lebt – der Dachs. Denn der kleine Geselle mit dem schwarz-weiß gestreiften Kopf kommt fast immer nur nachts aus seinem Bau.
Bei den groß angelegten Fuchsbaubegasungen zum Zwecke der Tollwutbekämpfung in den 1960er und 70er Jahren starben leider unbeabsichtigt auch sehr viele Dachse. In Deutschland galt er daher als nahezu ausgestorben. Doch obwohl sich die Bestände nur langsam von diesen Maßnahmen erholen, darf man mittlerweile „Meister Grimbart“, wie der Dachs im Volksmund liebevoll genannt wird, wieder als natürliches Mitglied unserer Umwelt begrüßen.
Und das ist gut so, denn schließlich ist der Dachs (lat. Meles meles), der zur Familie der Marder gehört, eines der charakteristischen Säugetiere europäischer Wälder. Er bewohnt fast ganz Europa – abgesehen von ein paar wenigen, vom Festland weit abgelegenen Inseln wie Korsika und Sardinien –, und auch in Russland, China und Japan ist er zu Hause.
Am meisten bevorzugt der Dachs, der bis zu 20 Jahre alt werden kann, das Leben in Laub- und Mischwäldern, doch auch in Steppen, Sumpfgebieten, in Gebirgen und an der Küste fühlt er sich wohl. Sogar in großen Gärten und Stadtparks findet man ihn heutzutage.
Ein stattlicher Kerl
Scheu zu sein, das hätte der Dachs eigentlich gar nicht nötig, immerhin ist er mit einer Länge von rund einem Meter, einer Höhe von etwa 30 Zentimetern und einem Durchschnittsgewicht von 12 Kilogramm ein durchaus stattliches Tier. Doch nicht nur das. Er wurde von Mutter Natur mit einem unverwechselbaren Markenzeichen ausgestattet: mit auffallenden, weißen Streifen am Kopf, über deren Sinn und Zweck sich jedoch niemand so richtig im Klaren ist. Was auch immer der Grund für die Streifen sein mag, sie stehen ihm auf jeden Fall sehr gut zu Gesicht.
Wo sich Dachs und Fuchs „Gute Nacht“ sagen
Wer hofft, einen Dachs tagsüber im Freien anzutreffen, wird enttäuscht, denn da dösen sie lieber in ihrem Bau. Es sind nachtaktive Tiere, die sich nur im Sommer, wenn die Nächte kürzer werden, schon in der Dämmerung auf Nahrungssuche begeben. Mit ihrer Beute kehren sie dann gut gelaunt zu Hause ein, wo die Familie sie bereits erwartet. Denn der Dachs ist wahrhaftig kein Einzelgänger.
Man kann häufiger mehrere Dachsfamilien in einem Bau antreffen, wobei es dort immer ein dominantes Paar gibt, das übrigens ein Leben lang zusammenbleibt.
Doch nicht nur mit Familienangehörigen teilt der Dachs sein Reich. Wildkaninchen und Füchse sind ebenso gern bei ihm zu Gast, wobei der Dachs in der Regel den unteren Bereich des Baus bewohnt und die anderen den oberen.
Damit man seinen Bau nicht gleich erkennt, sind die Eingänge meistens so anlegt, dass sie unter einem Gebüsch oder zwischen Brennnesseln versteckt liegen. Um es möglichst bequem zu haben, polstert der Dachs seine Wohnung mit weichem Pflanzenmaterial aus, das er hin und wieder an die Erdoberfläche schleppt, um es dort auszulüften. Ja, der Dachs ist ein sehr reinliches Tier, auch die Kotablageplätze liegen außerhalb der Bauten.
Ein Dachsbau kann übrigens über viele Jahrzehnte benutzt werden. Jede Generation dehnt ihn weiter aus und fügt weitere Wohnkammern hinzu. Ein in England untersuchter Dachsbau umfasste 50 Kammern und 178 Eingänge, die durch insgesamt 879 Meter Tunnel miteinander verbunden sind!
Die drei schönsten Dinge im Leben
Der Dachs hat drei Hobbys, nämlich schlafen, sich paaren und futtern, was das Zeug hält.
Obwohl sich der Dachs im Winter manchmal tagelang im Bau aufhält und eine gewisse Art von Winterruhe hält, die je nach Klima einige Tage bis Monate dauern kann, kann von Winterschlaf aber nicht die Rede sein.
Seine Paarungszeit fällt in die Zeit von Juli bis September. Wenn dann im Februar oder März das Weibchen ihre noch blinden, völlig weißen (die Streifen bilden sich erst später heraus) und wollig behaarten Jungen zur Welt bringt, ist das Familienglück vorerst perfekt und man bleibt zusammen, bis die Mutter die Jungen im Oktober schließlich vertreibt.
Was gabs noch? Ach ja, das leibliche Wohl. Der Dachs ist ein Allesfresser, d. h., er findet nicht nur Gefallen an pflanzlicher Kost wie Knollen, Wurzeln, Pilzen, Beeren und süßen, überreifen Früchten, sondern auch an Insekten und deren Larven, Schnecken, Würmern, Fröschen und Eidechsen. Leider vergreift er sich auch an bodenbrütenden Vögeln und deren Eiern, an Mäusen und jungen Kaninchen. Sogar vor ganzen Wespennestern macht sein Verlangen nicht Halt. – So ein Frechdachs!
chris






