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Samstag, 19. Mai 2012
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Dem König der Kälte wird warm

Tier und Mensch: Eisbär

Egal, ob es um „Lars – Der kleine Eisbär“ oder um den Berliner-Zoo-Bären Knut geht: Eisbären sind bei Groß und Klein sehr beliebt und avancieren daher immer wieder schnell zum Medienstar.

Leider ist der Eisbär aber auch zunehmend Thema, wenn es um den Klimawandel geht, und hier bewegt er sich wahrlich auf dünnem Eis. Denn seine Lage ist ernst: Das durch die steigenden Temperaturen schmelzende Eis der Arktis ist eine starke Bedrohung für seinen Lebensraum.

Der Eisbär (Ursus maritimus) gilt als das größte an Land lebende Raubtier der Erde, und mit seiner Körperlänge von circa zweieinhalb Metern, einer Schulterhöhe von etwa eineinhalb Metern und einem Durchschnittsgewicht von 500 Kilo ist er in der Tat eine imposante Erscheinung. Er kann gut schwimmen, etliche Minuten tauchen, schnell und ausdauernd laufen, und er verfügt über eine enorme Sprungkraft. Ein Satz über fünf Meter breite Eisspalten ist für diesen Polarbären kein Problem.

Doch was wird, wenn die Distanz zwischen den Eisschollen irgendwann zu groß wird, so dass kein Sprung mehr möglich ist? Was wird, wenn die Abstände selbst für ein Durchschwimmen zu weit werden? Da liegt die Antwort nah.

Gut getarnt ist halb gewonnen
Mutter Natur wird sich gedacht haben, wer im Eis lebt und dort erfolgreich auf Nahrungssuche gehen soll, braucht eine perfekte Tarnung und Ausstattung: ein gelblich weißes Fell, das im Eis nicht auffällt und sich auch im Sommer nicht verfärbt, das „wasserdicht“ ist und gut isoliert, um einen Wärmeverlust zu vermeiden. Dazu eine schwarz gefärbte Haut, die möglichst viel Wärme aufnehmen kann. Und die schwarze Nase? Nun, vielleicht einfach beim Anpirschen die Pfote drüber – dann sieht sie keiner …

Was tun gegen Bärenhunger?
Der Eisbär steht an der Spitze der natürlichen arktischen Nahrungskette. Seine Hauptnahrungsquelle sind Robben, aber auch junge Walrösser, sogar Beluga- und Narwale, Fische und Seevögel verspeist er gern.

Im Normalfall erbeuten Eisbären Robben an deren Atemlöchern im Eis: Sie erlegen ihre Beute durch blitzschnellen Zugriff mit Gebiss und Pranken. Manchmal tauchen die Bären aber auch selbst in einem dieser Atemlöcher auf, um die sich auf den Eisschollen sonnenden Robben zu erlegen.

Um satt zu werden, braucht er etwa 100 Kilo Futter am Tag. Aber genau hiermit hapert es schon jetzt: Der Eisbär bekommt nicht mehr genug Nahrung! Weil es in seiner Heimat in den letzten 20 Jahren (dieser Zeitraum entspricht der durchschnittlichen Lebenserwartung eines Eisbären) mindes­tens eineinhalb Grad wärmer geworden ist, tauen die Platten schon im Frühjahr. Und Robben im offenen Wasser zu erbeuten gelingt ihm leider nicht.

Da hilft auch das dickste Fell nicht
Unter diesem Futtermangel leiden auch die Weibchen und damit die Nachkommen. Fakt ist: Finden die Weibchen weniger Nahrung, bekommen sie weniger Nachwuchs – und deshalb steht der Eisbär seit 2006 erstmals auf der Roten Liste der gefährdeten Arten!

Im Übrigen bekommen Eisbärweibchen erst im Alter von sechs Jahren Junge, die sie in einer Schneehöhle zur Welt bringen und ganze zweieinhalb Jahre lang säugen! Kein Wunder also, dass es mit dem Eisbärennachwuchs überhaupt so langsam vorangeht …

Mein Territorium – dein Territorium
Eisbären leben am Treibeis des Nordpolarmeeres und in den umgebenden Polarregionen rund um den Nordpol. Nur im arktischen Sommer sind die Tiere gezwungen, an Land zurückzukehren und nach pflanzlicher Kost zu suchen. Nach kilometerweiten Wanderungen ins Landesinnere begnügen sie sich dann mit dem wenigen, was ihnen Tundra und Taiga bieten. Von Menschen hält sich der Eisbär meist fern, jedoch treibt ihn seine Neugierde immer wieder in die Nähe menschlicher Siedlungen, die im Lebensraum von Eisbärpopulationen liegen.

Ein Beispiel hierfür ist die kanadische Stadt Churchill an der Hudson Bay, die in den überwiegend eisfreien Monaten Mai bis November immer wieder von hungrigen Bären aufgesucht wird. Zur Freude der Touristen – und zum Leid der Einwohner, die sich nicht anders zu helfen wissen, als die Bären bis zum Überfrieren der Hudson Bay gefangen zu halten und sie mit Hubschraubern erst dann auszufliegen und freizulassen, sobald der Robbenfang für die Tiere wieder möglich ist.

Hoffentlich müssen wir eines Tages nicht wirklich sagen: „… als Robbenfang noch möglich war“ …

chris

Fotos: shutterstock