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Samstag, 19. Mai 2012
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Auf den Spuren Isegrims

Der Wolf

"Es war einmal …" In den Märchen Rotkäppchen, Peter und der Wolf sowie im Mythos Werwolf wird der Wolf als gefräßiges, blutrünstiges Wesen dargestellt, das dem Menschen unheimlich erscheint. Die Angst der Menschen hat sich offenbar bis zum heutigen Tage nicht geändert, denn der Wolf wird weiterhin weltweit gejagt.

Der Wolf im Profil

Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Hunde (Canidae)
Tribus: Echte Hunde (Canini)
Gattung: Canis
Art: Wolf
Wissenschaftlicher Name: Canis lupus


Auf den ersten Blick ist eine Ähnlichkeit zum Wolf besonders bei Rassen wie dem Sibirian Husky oder dem Deutschen Schäferhund erkennbar. Schlittenhunde zum Beispiel bellen nur wenig. Ihr Lautverhalten äußert sich meist im Heulen und Jaulen, wie es die Wölfe tun. Fakt ist, dass es Versuche gab, den Wolf mit einigen Hunderassen zu kreuzen. Das ängstliche und scheue Verhalten der Wölfe vererbte sich jedoch weiter, woraufhin man diese Zuchtexperimente nicht weiterverfolgte.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum Hund

Im Prinzip sehen Wölfe aus wie große Hunde, die mit längerem Rumpf, aber schmalerem Brustkorb ausgestattet sind. Ein großer Kopf mit breiter Stirn und kurzen Ohren zeichnet sie aus. Der Schwanz ist buschig und hat etwa ein Drittel der Körperlänge. Die Fellfarbe ist sehr variabel, nahezu alle typischen Farben sind vertreten. Größe und Gewicht der Wölfe sind aufgrund ihrer weltweiten Verbreitung ebenfalls unterschiedlich.

Die kleinsten leben im Vorderen Orient oder auf der Arabischen Halbinsel. Sie haben ein Gewicht von ca. 20 kg und eine Körperlänge von ungefähr 80 cm. Die größten Exemplare leben in Weißruss­land, Alaska und Kanada. Dort können sie bis 80 kg auf die Waage bringen und 160 cm Länge erreichen. Weibliche Tiere sind rund 20 % leichter und etwas kleiner.

Es ist nicht einfach festzustellen, ob ein Tier zu 100 % reiner Wolf ist. Am einfachsten zu unterscheiden sind Hund und Wolf jedoch, indem man ihre Fährte unter die Lupe nimmt. Wölfe laufen exakt im Rudel hintereinander her und setzen ihre Pfoten genau in die Spuren des Vordertieres. So könnte man annehmen, dass nur ein einziger Wolf diese Spur hinter sich ließ. Bei Hunden ist die Fährte eindeutiger.

Das Familientier

Wölfe besitzen eine ausgesprochene Sozialordnung. Es sind Familientiere durch und durch. Obwohl man hier und da auch Einzeltiere antrifft, leben sie fast ausschließlich im Rudel. Dieses besteht in der Regel aus den Elterntieren und seinen Nachkommen aus zwei Generationen. Sobald die Jungwölfe jedoch geschlechtsreif werden, wandern sie aus und suchen sich ein eigenes Revier. Inzucht gibt es unter Wölfen nicht, auch wenn keine anderen Sexualpartner zur Verfügung stehen.

Die Speisekarte

Als Lieblingsspeise stehen eindeutig große, pflanzenfressende Säugetiere auf dem Plan. Im Norden zählen Elche, Rentiere oder Hirsche zu ihrer Beute. Wölfe scheuen sich nicht, Jagd auf mächtige Bisons zu machen. In Osteu­ropa werden gern Wildschweine vernascht, aber auch Kleinsäuger wie Hasen, Kaninchen oder Lemminge werden nicht verschmäht. In der Nähe des Menschen reißen sie auch Schafe, Rinder, ja teilweise sogar Hunde und Katzen. Alle nötigen Vitamine nimmt der Wolf durch Beeren und Obst zu sich.

Mensch und Wolf

Die Einstellung des Menschen zum Wolf ist immer noch sehr zwiespältig. Früher wurde er von einigen Völkern in Nordeuropa, die von der Jagd lebten, sehr geschätzt. Seine Ausdauer und sein Geschick machten ihn zum unmittelbaren Konkurrenten. Der Wolf wurde als übernatürliches Wesen und Beschützer verehrt. So sollten zum Beispiel Schuhe aus Wolfsfell die Jungs zu tapferen Männern machen. Namen wie Wolfgang, Wolf oder Wolfhard erinnern ebenfalls noch an die Wertschätzung.
Meist ging von dem Wolf jedoch eine Bedrohung aus, da er den sesshaften Völkern mit Vorliebe ihr Nutztier raubte. Dadurch erhielt er den Namen des blutrünstigen Isegrim. Das Ende vom Lied war demzufolge die komplette Ausrottung des Wolfes. In Großbritannien fand die letzte Erlegung um 1743 statt, in Deutschland 1904. In Süd- und Osteuropa begegnete man dem Tier jedoch mit mehr Würde.

Der Mensch als Beute

Zweifelsohne hat sich der Wolf an den Nutztieren der Menschen vergriffen und zahlreiche erlegt. Es gibt aber keine Beweise, dass gesunde Wölfe Menschen angegriffen hätten. Unfälle dieser Art sind fast ausschließlich durch Provokation der Menschen oder leichtsinniges Handeln verursacht worden.

So eindeutig die Einstellung des Menschen zum Wolf auch scheint, bleibt doch die Tatsache bestehen, dass dieses Tier eine faszinierende Wirkung auf den Menschen ausübt. Würde es sonst so wunderbare Filme wie „Der mit dem Wolf tanzt“ geben?

juwel

Fotos: Deutsche Wildtier Stiftung T. Martin (1)/C. Spahrbier (1), Photocase (3)